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Menschen in den verletzlichsten Momenten ihres Lebens begleiten
Univ.-Prof. Dr. med. Marc Kriege, neuer Chefarzt für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie in Bernau, spricht über seinen Neustart, die Medizin von morgen und warum Menschlichkeit für ihn genauso wichtig ist wie Präzision.
„Unser Fach ist unsichtbar und unverzichtbar zugleich“, sagt Univ.-Prof. Dr. med. Marc Kriege. Als neuer Chefarzt für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie am Immanuel Klinikum Bernau Herzzentrum Brandenburg und Professor an der Medizinischen Hochschule Brandenburg Theodor Fontane (MHB) bringt er nicht nur langjährige Erfahrung aus der Universitätsmedizin mit, sondern auch eine klare Vision für die Weiterentwicklung der Patientenversorgung, Forschung und Lehre. Im Interview spricht er über seinen Neustart, die Medizin von morgen und warum Menschlichkeit für ihn genauso wichtig ist wie Präzision.
Herr Univ.-Prof. Dr. med. Marc Kriege, Sie wechseln vom Universitätsklinikum Mainz ans Immanuel Klinikum Bernau Herzzentrum Brandenburg und die MHB – was reizt Sie an dieser neuen Aufgabe besonders?
Der Wechsel ans Immanuel Klinikum Bernau Herzzentrum Brandenburg ist für mich eine außergewöhnliche Chance, Anästhesiologie und Intensivmedizin in einem hoch-spezialisierten herzmedizinischen Umfeld weiterzuentwickeln und das mit direkter Anbindung an die Medizinische Hochschule Brandenburg. Was mich besonders reizt, ist die Kombination aus klinischer Führungsverantwortung und akademischer Arbeit an einer jungen, innovativen Hochschule. Ich schätze die bestehenden gewachsenen Strukturen, zugleich freue ich mich darauf, gemeinsam mit meinem Team neue Impulse zu setzen.
Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie verbinden Hochleistungsmedizin mit sehr menschlichen Grenzsituationen. Was fasziniert Sie an diesem Fach bis heute?
Unser Fach ist unsichtbar und unverzichtbar zugleich. Wir begleiten Menschen in den verletzlichsten Momenten ihres Lebens - vor einer Operation, im Operationssaal, auf der Intensivstation. „Vom Narkosearzt zum perioperativen Mediziner“ - ich verstehe meine Rolle als das Bindeglied im Klinikum, das jeden Patienten individuell und über den gesamten Behandlungsprozess hinweg begleitet. Was mich bis heute fasziniert, ist diese Verbindung aus Präzision und Menschlichkeit: auf der einen Seite hochkomplexe Pharmakologie und Physiologie, auf der anderen Seite ein Mensch, der Angst hat und Vertrauen schenkt. Gerade in der Herzmedizin, wo die Eingriffe häufig lebensrettend sind, trägt unser Team eine enorme Mitverantwortung für den Outcome.
Wo sehen Sie aktuell die größten Entwicklungen in der Anästhesiologie und Intensivmedizin, gerade auch in Bezug auf die Herzmedizin?
Die Digitalisierung und das Monitoring in Echtzeit verändern unsere Arbeit grundlegend - von der präziseren Anästhesieführung bis hin zu KI-gestützten Frühwarnsystemen auf der Intensivstation. In der Herzmedizin sehe ich besonders die Entwicklung minimalinvasiver Verfahren als treibende Kraft: Sie stellen neue Anforderungen an die perioperative Medizin und erfordern eine noch engere Verzahnung zwischen Kardiologie, Herzchirurgie und Anästhesiologie. Dazu kommt das wachsende Bewusstsein für Langzeitoutcomes – weg von der Frage: Hat der Patient die Operation überlebt? Sondern: Wie geht es ihm in drei oder sechs Monaten später? Ich möchte den perioperativen Prozess umfassender gestalten und bestehende Strukturen intensiver vernetzten. Mein Ziel ist es, den gesamten perioperativen Prozess als durchgehende Versorgungskette zu gestalten: beginnend beim persönlichen Gespräch mit dem Hausarzt, über die stationäre Aufnahme und den operativen Eingriff, bis in die postoperative Phase und zur Entlassung – und alle beteiligten Akteure dabei eng zu vernetzen."
Sie kommen aus einer Universitätsklinik mit hochspezialisierten Strukturen. Was möchten Sie in Bernau entwickeln oder stärken? Und was sehen Sie als Vorteile an den bestehenden Strukturen in Bernau?
Ich komme nicht mit der Haltung, alles neu erfinden zu wollen. Ein Herzzentrum wie Bernau hat über Jahrzehnte exzellente Arbeit geleistet und sich entwickelt - das sieht man an den Strukturen, den Patientenzahlen und vor allem an der Erfahrung des Teams. Ich möchte gemeinsam mit meinem Team die digitalen Strukturen im Klinikum gezielt weiterentwickeln - nicht Digitalisierung um ihrer selbst willen, sondern als Werkzeug für eine bessere Kommunikation, mehr Transparenz und letztlich bessere Patientenversorgung. Dazu kommt die wissenschaftliche Verankerung der Abteilung über die Anbindung an die MHB - für exzellente Forschung, innovative Lehre und die Gewinnung engagierter Nachwuchsmediziner.
Mit der Position ist eine Professur an einer nicht-staatlichen medizinischen Hochschule verbunden. Was reizt Sie an der akademischen Aufgabe und welche Bedeutung hat sie für die Arbeit im Klinikum?
Medizin lebt vom Weitergeben. Eine W3-Professur bedeutet für mich nicht nur Prestige, sondern Verantwortung: junge Ärztinnen und Ärzte zu formen, kritisches Denken zu fördern und gleichzeitig die klinische Praxis mit Forschungsfragen zu verbinden. Die MHB ist eine junge Hochschule mit einem klaren Profil – das macht sie besonders attraktiv. Ich freue mich darauf, Themen aus unserem klinischen Alltag in Lehrformate und Forschungsprojekte zu übersetzen.
Worauf freuen Sie sich persönlich beim Neustart in Brandenburg?
Brandenburg ist für mich Neuland – und das ist aufregend. Ich freue mich auf eine Region, die noch viel Entdeckungspotenzial hat, auf eine Klinik mit echtem Herzstück und auf Menschen, die mit Leidenschaft bei der Sache sind. Neuanfänge erfordern Mut, aber sie geben auch unglaublich viel Energie. Ich bin gespannt auf das, was kommt.