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Internationaler Frauentag: „Führung braucht Haltung“
Zum Internationalen Frauentag sprechen wir mit Lydia Groß, Leiterin des Konzernbereichs Personal der Immanuel Albertinen Diakonie, über Gleichstellung, weibliche Führung und die Verantwortung eines großen diakonischen Arbeitgebers.
Im Gespräch mit Lydia Groß
Im Interview berichtet sie von persönlichen Erfahrungen auf ihrem beruflichen Weg, erläutert, wie das christlich-diakonische Werteverständnis Chancengleichheit prägt, und beschreibt, mit welchen Strukturen und Angeboten der Konzern Frauen auf ihrem Weg in Führungsverantwortung unterstützt. Zudem blickt sie darauf, welche Rolle Vereinbarkeit von Beruf und Familie spielt – und welche Entwicklung sie sich für die Zukunft der weiblichen Führung im Unternehmen wünscht.
Sie leiten als Frau den Konzernbereich Personal der Immanuel Albertinen Diakonie. Welche persönlichen Erfahrungen prägen Ihr Verständnis von Führung und Gleichstellung in unserem Unternehmen?
Mein Verständnis von Führung ist stark davon geprägt, wie ich in der Vergangenheit selbst geführt wurde. Ich hatte größtenteils Führungskräfte, die mich unterstützt haben, bin aber gleichzeitig auch durchaus auf Widerstände gestoßen. Auf meinem beruflichen Weg habe ich sowohl positive Vorbilder und Situationen erlebt, in denen Frauen und damit auch ich als Frau selbstverständlich in Führung präsent waren, als auch Situationen in der Vergangenheit, in denen Frauen sich ihren Platz innerhalb der Entscheidungsstrukturen erst erarbeiten mussten und nicht selbstverständlich „einen Platz am Tisch“ hatten. Das hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, arbeitgeberseitig Strukturen bewusst so zu gestalten, dass diese als tragfähiges Fundament dienen und Chancen ermöglichen. Gute Führung hat für mich immer mit Haltung zu tun: mit Respekt, Menschlichkeit, mit Vertrauen, Wertschätzung, mit dem Verständnis füreinander und für Fehler, die im Rahmen der Zusammenarbeit passieren können, und mit der Überzeugung, dass unterschiedliche Perspektiven in Verbindung mit einem konstruktiven Austausch ein Unternehmen stärker machen.
Für mich bedeutet Gleichstellung nicht nur, dass Frauen und Männer formal die gleichen Möglichkeiten haben. Es geht darum, strukturelle Rahmenbedingungen mit Verlässlichkeit, klaren Prozessen und objektiven Kriterien zu schaffen, die es unterschiedlichen Menschen, männlich wie weiblich, ermöglichen, Verantwortung zu übernehmen, sodass geschlechtsunabhängige Führung zur Normalität wird.
Vielfalt als Stärke wahrnehmen.
Die Immanuel Albertinen Diakonie ist einer der großen diakonischen Arbeitgeber – in der aktuellen Stern-Liste der frauenattraktivsten Arbeitgeber in Deutschland mit Platz 48 immerhin unter den Top 50 von 650 ausgewerteten Unternehmen und auf Platz 4 innerhalb der Branche Gesundheit und Soziales. Wie spiegelt sich unser christlich-diakonisches Selbstverständnis konkret in Fragen von Chancengleichheit und Diversität wider?
Unser christlich-diakonisches Selbstverständnis basiert auf der Überzeugung, dass die Würde eines jeden Menschen unantastbar ist. Daraus ergibt sich ganz selbstverständlich der Anspruch, allen Mitarbeitenden unabhängig von Merkmalen wie Geschlecht, Herkunft oder Alter und anderen Diversitätsdimensionen mit Wertschätzung und Fairness zu begegnen. Chancengleichheit und Diversität sind für uns deshalb keine Trends, sondern Ausdruck unseres Wertefundaments und unseres Leitbilds, und letztlich die Grundlage dafür, unseren Dienst am Menschen überhaupt leisten zu können.
Mir ist es wichtig, ein Arbeitsumfeld zu gestalten, in dem Vielfalt als Stärke wahrgenommen wird und in dem Menschen ihre Fähigkeiten einbringen können. Der 48. Platz in der Stern-Liste als attraktiver Arbeitgeber für Frauen und an 4. Position in der Branche Gesundheit und Soziales ist daher gleichzeitig eine großartige Bestätigung, dass die Immanuel Albertinen Diakonie auf einem guten Weg ist, und ein konstanter Auftrag für die Zukunft.
Die Gleichstellung von Frauen ist an sich ein „alter Hut“, aber gesamtgesellschaftlich leider immer noch hochaktuell. Welche konkreten Programme oder Instrumente setzt der Konzernbereich Personal ein, um Frauen gezielt in ihrer beruflichen Entwicklung und auf dem Weg in Führungsverantwortung zu fördern?
In der gesamtgesellschaftlichen Debatte und auch in der Wissenschaft finden sich immer wieder Belege dazu, dass Frauen scheinbar weniger Interesse an Führungsrollen haben und Führungsverantwortung generell an Attraktivität verliert. Aus meiner Sicht hat dies auch mit der strukturellen Unterstützung zu tun, die Arbeitgeber den Führungskräften bieten: Wenn Frauen, die häufiger als Männer in Teilzeit tätig sind, in eine Führungsrolle gehen möchten, ist umso wichtiger, dass die administrativen und organisatorischen Rahmenbedingungen reibungslos funktionieren, sodass Zeit vorhanden und der Kopf frei ist für die strategische Führung und den Kontakt mit den Mitarbeitenden.
Ein zentrales Instrument des Konzernbereichs Personal ist daher die administrative Konsolidierung, indem wir unsere Prozesse, Strukturen und Systeme langfristig so anpassen, dass sie für unsere Führungskräfte und Mitarbeitenden einfacher werden und als Unterstützung wahrgenommen werden können. Das klingt unglamourös, ist für die Frauenförderung aber ein existenzieller Schritt. Hinsichtlich der beruflichen Weiterentwicklung und unserer Personalentwicklung gilt die Chancengleichheit ebenso: Unsere Angebote sind generell geschlechtsunabhängig auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unseres Konzerns ausgelegt, beispielsweise Coachings für den Einstieg in die Führungsposition oder Führungswerkstätten.
Wenn wir einander unterstützen, Potenziale erkennen und Chancen eröffnen, können wir gemeinsam eine Menge bewegen.
Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist gerade in einem 24/7-Gesundheits- und Sozialunternehmen eine besondere Herausforderung. Welche Lösungen hat die Immanuel Albertinen Diakonie etabliert – und wo wollen wir noch besser werden?
Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist für viele unserer Mitarbeitenden, und ganz besonders unserer Mitarbeiterinnen, ein zentrales Thema. In einem Unternehmen mit Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und vielen weiteren Bereichen ist das aufgrund der hohen Anforderungen und des Schichtbetriebs keine leichte Aufgabe – dennoch arbeiten vor allem die Einrichtungen selbst und ergänzend auch wir als Konzernbereich Personal kontinuierlich an Lösungen.
Dazu gehören beispielsweise Teilzeitmöglichkeiten auch in verantwortungsvollen Positionen sowie eine möglichst planbare Dienstplangestaltung. Ebenso wichtig ist eine Führungskultur, die Verständnis für unterschiedliche Lebensphasen zeigt und individuelle Lösungen ermöglicht. Ich muss allerdings zugeben: hinsichtlich dieser Lösungen haben wir seitens des Konzerns noch viel Potential uns weiter zu verbessern.
Das Motto des diesjährigen Weltfrauentages lautet „Rechte. Gerechtigkeit. Handeln. Für ALLE Frauen und Mädchen“. Was wünschen Sie sich für die zukünftige Entwicklung der Immanuel Albertinen Diakonie in Bezug auf weibliche Führung – und welche Botschaft möchten Sie unseren Mitarbeiterinnen mitgeben?
Ich wünsche mir, dass wir als Unternehmen an der bisherigen Richtung festhalten und diese ausbauen, damit die Frauen, immerhin etwa 75% aller Mitarbeitenden des Konzerns, in der Immanuel Albertinen Diakonie gerne Führungsverantwortung übernehmen und ihre Perspektiven in strategische Entscheidungen einbringen. Vielfalt in Führung ist kein Selbstzweck, sondern führt nachweislich zu besseren Entscheidungen und stärkt somit unsere Organisation.
Meine Botschaft an unsere Mitarbeiterinnen ist: Bringen Sie sich und Ihre Fähigkeiten ein! Die Immanuel Albertinen Diakonie lebt von dem Engagement und der Kompetenz ihrer Mitarbeitenden. Wenn wir einander unterstützen, Potenziale erkennen und Chancen eröffnen, können wir gemeinsam eine Menge bewegen.