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Am 3. Februar 2026 besuchte Lucas Schaal, CDU-Abgeordneter des Berliner Abgeordnetenhauses für den Bezirk Mitte, die Immanuel Beratung Fischerinsel. Der Volkswirt und Volljurist, der in den Ausschüssen für Wirtschaft, Energie und Betriebe sowie Mobilität und Verkehr sitzt, folgte einer Anregung des Diakonischen Werks und wollte die Beratungsstelle kennenlernen – auch aus persönlichem Interesse, da er selbst einmal auf der Fischerinsel gewohnt hat.

Vielfältige Beratungsangebote im Fokus

Bei der Führung durch die Räume informierte sich Schaal über die drei Projekte der Einrichtung: Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung, Migrationsberatung für Erwachsene (MBE) und Allgemeine Sozialberatung. Leiterin Dorit Mauersberger erläuterte die Komplexität der Beratungssituationen in der Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung – von Ängsten in der Schwangerschaft, Ausstellung der Beratungsbescheinigung, über Begleitung bei Pränataldiagnostik, Fragen zur Existenzsicherung bis hin zu Partnerschaftsfragen und Beratung zum Kinderwunsch. „Wir zeigen den Ratsuchenden Möglichkeiten auf, damit sie für sich die beste Entscheidung treffen können“, erklärte Mauersberger.

Strukturelle Herausforderungen

Im Gespräch mit dem Team wurden zentrale Probleme deutlich:

Der erschwerte Zugang zu Behörden durch Digitalisierung schafft hohe Hürden für viele Menschen.

Anträge beim Jobcenter oder für Wohngeld dauern sehr lange.

Besonders dramatisch ist der Mangel an bezahlbarem Wohnraum, vor allem für Menschen nichtdeutscher Herkunft. „Das Jobcenter macht Druck, dass Menschen sich bezahlbaren Wohnraum sichern sollen, aber den gibt es nicht", so das Team. Ratsuchende berichten mit wachsender Sorge von konkreten rassistischen Erfahrungen.

Ein weiteres Problem: Die langwierige Ausstellung von Geburtsurkunden für die Kinder von Eltern nichtdeutscher Herkunft, wenn sie selbst ihre eigene Geburtsurkunde nicht vorlegen können – sei es, weil sie auf der Flucht verloren gegangen ist oder sie in ihrem Herkunftsland nicht ausgestellt werden. Das verzögert Anträge z.B. auf Kindergeld und Elterngeld erheblich. „Das führt zum Teil dazu, dass Erwerbstätige, die eigentlich einen Anspruch auf Elterngeld hätten, stattdessen vorübergehend Bürgergeld beantragen müssen“, erläuterte Mauersberger dem Politiker.

Konkrete Verbesserungsvorschläge

Die Beraterin der MBE forderte Spezialkurse wie Jugendintegrationskurse, Frauenkurse, Elternkurse und Berufssprachkurse, um Integrationsprozesse zu ermöglichen.

Zudem wünschen sich die Beraterinnen direkten Kontakt zu Behördenmitarbeitenden. „Früher konnten wir Sachbearbeiter*innen z.B. im Jobcenter oder der Wohngeldstelle anrufen – das geht jetzt nicht mehr", bedauerte das Team.  

Lucas Schaal sagte, er wolle sich in seiner Funktion für die Wiedereinführung persönlicher Sprechstunden in städtischen Wohnungsbaugesellschaften einsetzen.

Finanzierungsprobleme thematisiert

Kritisch sehen die Beraterinnen, dass die dringend benötigte Sozialberatung aus Lotto-Mitteln finanziert werden muss. Die anderen Angebote erhalten Senats- und Bundesförderung. Die Förderung für die gesetzlich vorgeschriebene Schwangerschaftskonfliktberatung müssten die Beratungsstellen jedoch jährlich neu beantragen, obwohl sich der Bedarf nicht ändere. „Das bindet unnötig Kapazitäten, die wir für die Beratung selbst bräuchten“, sagte Mauersberger.

Schaal zeigte sich beeindruckt von der verantwortungsvollen Arbeit der Immanuel Beratung Fischerinsel und vereinbarte, weiter im Kontakt zu bleiben. Wenn Menschen mit Beratungsbedarf in seine Bürgersprechstunde kämen, wolle er sie künftig auf die Angebote der Beratungsstelle aufmerksam machen. Mauersberger zog ein positives Fazit: „Wir freuen uns, dass Herr Schaal sich auf den Weg zu uns gemacht hat und Interesse für unsere Arbeit und die Anliegen der Menschen gezeigt hat.“

Mehr über die Angebote der Immanuel Beratung Fischerinsel.