
Hör-Tipp: Wie gewinnen wir Menschen für die Pflege alter Menschen?
In der Sendung „Natürlich gesund“ spricht HR-Spezialist Christopher Betz über aktuelle Herausforderungen im Personalrecruiting, die Erwartungen von Bewerbenden und die wichtige Rolle von Quereinsteigern.
Der demografische Wandel stellt die Altenhilfe vor große Herausforderungen: Immer mehr ältere Menschen benötigen Pflege und Betreuung – gleichzeitig fehlen Fachkräfte und Nachwuchs. Wie gelingt es, Menschen für Berufe in der Altenhilfe zu begeistern? Welche Erwartungen haben Bewerberinnen und Bewerber heute an Arbeitgeber? Und welche Rolle spielen Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger für die Zukunft der Pflege?
Darum ging es in der Sendung Natürlich gesund am 26. Mai 2026 bei Radio Paradiso unter der Überschrift „Personalrecruiting in der Altenhilfe: Wie können Menschen für die Pflege alter Menschen gewonnen werden?“. Zu Gast im Studio war Christopher Betz, Experte für Personalgewinnung und Personalbindung in der Immanuel Albertinen Diakonie, der Einblicke in aktuelle Herausforderungen und Chancen der Gewinnung von Mitarbeitenden in der Altenhilfe gab. Seine Aufgabe ist die Gewinnung von Personal für die Seniorenpflegeeinrichtungen der Immanuel Miteinander Leben in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.
Im Gespräch ging es unter anderem um folgende Fragen:
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Was unterscheidet die Personalsuche in der Altenhilfe von anderen Branchen?
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Was erwarten Bewerberinnen und Bewerber heute konkret von einem Arbeitgeber?
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Reicht Sinnstiftung als Argument noch aus?
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Welche Rolle spielen verlässliche Dienstpläne und Arbeitszeiten?
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Wie wichtig sind Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger für die Zukunft der Altenhilfe?
Eine spannende Sendung über die Zukunft der Pflege und darüber, wie gute Arbeitsbedingungen Menschen für die Begleitung und Versorgung älterer Menschen gewinnen können.
Personalrecruiting in der Altenhilfe
In der Radio Paradiso-Sendung „Natürlich gesund“ spricht Christopher Betz, HR Spezialist im Konzernbereich Personalgewinnung & Personalbindung bei der Immanuel Albertinen Diakonie darüber, wie Menschen für die Pflege alter Menschen gewonnen werden können und welche Erwartungen Bewerbende an ihre Arbeitgeber haben.
Julia Nogli:
Sie hören Radio Paradiso mit der Sendung Natürlich Gesund. Mein Name ist Julia Nogli und unser Thema heißt heute Personalrecruiting in der Altenhilfe. Wie können Menschen für die Pflege alter Menschen gewonnen werden?
Experte und Gast hier im Studio ist Christopher Betz, HR-Spezialist, Konzernbereich Personalgewinnung und Personalbindung, Immanuel Albertinen Diakonie. Hallo erstmal, ich grüße Sie.
Christopher Betz:
Guten Abend Frau Nogli, hallo.
Julia Nogli:
HR-Spezialist, was ist das eigentlich?
Christopher Betz:
Das ist eine interessante Frage. HR-Spezialist, ich bin am Ende des Tages dafür zuständig, für acht Einrichtungen in der Altenhilfe und Eingliederungshilfe der Immanuel Miteinander Leben GmbH, das Thema Personal zu bearbeiten, das ganze Thema Recruiting, Personalprozesse zu definieren, zu optimieren, da wo notwendig, auch Social Media Thema aufgreifen und dort am Markt sichtbar werden als Arbeitgeber. So im Groben beschreibt es das eigentlich.
Julia Nogli:
Und Human Resources.
Christopher Betz:
Richtig, das ist der allgemeingängige Begriff.
Julia Nogli:
Haben wir das geklärt. Genau. Und wir wollen Recruiting, also dieses Gewinnen von Arbeitskräften in der Altenhilfe, darüber wollen wir sprechen.
Warum ist das momentan oder schon vielleicht auch eine ganze Weile so schwierig?
Christopher Betz:
Naja, es hat mehrere Gründe. Der eine Grund ist der demografische Wandel, den wir aktuell haben. Das heißt, wir haben immer älter werdende Bevölkerung bei uns.
Das heißt, immer mehr pflegebedürftige Menschen, die wir versorgen müssen. Man kann sagen, tatsächlich statistisch soll das bis ins Jahr 2055 auf knapp sieben Millionen Pflegebedürftige anwachsen. Das ist ein Grund.
Der zweite Grund ist natürlich der Arbeitsmarkt. Aktuell wir haben aktuell im HR-Kontext nennt man es einen Arbeitnehmermarkt. Das heißt, wir haben überproportional viel Bedarf an Fachkräften und vor allem in der Pflege.
Die stehen da ganz oben und zu wenig Fachkräfte, die diese Stellen besetzen können. Und das macht es natürlich sehr schwierig. Also wir haben einen sehr großen Bedarf und einen sehr engen Markt, auf dem wir uns bewegen.
Julia Nogli:
Und warum ist gerade nochmal in der Altenhilfe besonders schwierig oder was denken Sie?
Christopher Betz:
Es ist ein sehr herausfordernder Beruf. Also in der Altenhilfe muss man sagen, das Profil, was man dort sucht, muss zum einen natürlich fachlich qualifiziert sein wie für alle Berufe. Das heißt, es muss eine Ausbildung vorhanden sein.
Aber was noch viel wichtiger ist, ist der menschliche Aspekt. Also sprich, die persönliche Eignung für diesen Job ist unheimlich wichtig. Das heißt, das ist ein harter Faktor bei der Auswahl.
Wie reagiert der Mensch in so stressbelastenden Situationen? Das heißt, eine Pflegefachkraft ist in diesem Moment ja in einer sehr sensiblen Situation mit den Bewohnern, also in einer sensiblen Lebenssituation. Der ist mit Herausforderungen konfrontiert, die auch belastend sein können, physisch und psychisch.
Das heißt, es ist sehr wichtig, was ist der Mensch, den wir für das Team suchen? Wie ist denn so sein Mindset? Wie ist seine Eignung, auch psychische Eignung für diesen Job?
Julia Nogli:
Und das können Sie offene Weise überprüfen oder erkennen durch Erfahrung, durch Gespräche, durch Tests?
Christopher Betz:
Richtig. Also wir versuchen natürlich in den Auswahlgesprächen, das heißt, wir haben ganz normalen Bewerbungsprozess bei uns in den Einrichtungen. Die Leute bewerben sich auf unsere Aufschreibungen im besten Fall und wir führen dann Vorstellungsgespräche mit den Einrichtungsleitungen.
Diese finden auch immer eigentlich so im Vier-Augen-Prinzip statt. Das heißt, es ist die Einrichtungsleitung dabei, es ist eine Pflegedienstleitung dabei, die das ganze Fachlehrthema abgreift und in der Regel eigentlich auch jemand aus dem Personalbereich. Also wenn ich es schaffe, bin ich dabei und begleite das aus der Personalersicht.
Und dann versuchen wir natürlich mit strukturierten Interviews herauszufinden, ist der Person, passt er ins Team, passt er zu uns, passen wir zu ihm? Das ist ja auch eine Frage. Also es ist ja oft der Perspektivwechsel, der da jetzt ins Spiel kommt.
Also wir bewerben uns ja eigentlich bei den Arbeitnehmern. Mittlerweile muss man sagen.
Julia Nogli:
Deswegen wollte ich auch aus der Perspektive fragen, was erwarten denn heute Bewerberinnen und Bewerber bei einem Job? Was wollen die?
Christopher Betz:
Auf jeden Fall Transparenz, also Transparenz, Klarheit, Wertschätzung, eine Struktur, also einen strukturierten Rahmen, in dem sie arbeiten können. Das heißt, sind die Arbeitsmittel ausreichend vorhanden, die ich benötige für meine tägliche Arbeit? Wie ist eine Feedback-Kultur in der Einrichtung?
Eine Fehlerkultur, gibt es sowas? Also allgemein ist es viel wichtiger als das Lohnthema, was ja oftmals noch kommt, sind diese Faktoren. Wie werde ich eigentlich in der Einrichtung eingearbeitet?
Wie ist das Onboarding? Wie wird mit Fehlern umgegangen? Wie offen ist die Tür der Führungskraft, der Einrichtungsleitung, der Pflegedienstleitung, wenn ich mal ein Problem habe, wenn vielleicht auch mal Fehler passieren?
Weil auch das gehört zum Alltag. Wer arbeitet, macht Fehler. Und wie wird da umgegangen mit der Einrichtung?
Also da geht ganz viel auf diese persönlichen Bedürfnisse, wird sehr stark geachtet von den Mitarbeitenden. Der Arbeitnehmer hat dann sehr hohen Anspruch, zu Recht auch mittlerweile. Es ist ein fordernder Beruf.
Absolut. Deswegen steht das schon sehr im Fokus bei den Mitarbeitenden. Also wie sind so die Rahmenbedingungen außenrum mal losgelöst von dem monetären, also von dem Lohn, der auch gut ist, sind das die viel wichtigeren Faktoren.
Julia Nogli:
Und das ist auch nicht dann komisch, wenn die Leute sowas fragen im Vorstellungsgespräch. Also man sollte ruhig auch Fragen stellen. Geben sie gerade auch Tipps, sozusagen.
Christopher Betz:
Darf man? Natürlich. Also es gibt keine falschen Fragen.
Überhaupt nicht. Es gibt auch keine unpassenden. Alles, was in dem Kontext für den Arbeitnehmer interessant ist, sollen die bitte fragen.
Da gibt es keine falschen Fragen. Muss man wirklich sagen. Und man erkennt dann, glaube ich, auch bei Arbeitgebern ganz gut, wie transparent und ehrlich und authentisch sie auf diese Fragen eingehen.
Also werden die Fragen abgebügelt oder wird wirklich sich Zeit genommen, die Fragen ausführlich zu beantworten, transparent zu beantworten und einfach authentisch zu sein. Das ist, glaube ich, ein sehr großer Punkt. Und das soll sich bitte auch jeder Arbeitnehmer, der sich für egal in welchem Bereich für einen Job entscheidet, auch mit ins Vorstellungsgespräch nehmen.
Julia Nogli:
Und umgekehrt. Welche Fehler machen Arbeitgeber oft bei solchen Gesprächen oder Einstellungen? Oder beim Recruiting, beim Gewinnen?
Christopher Betz:
Ja, das ist auch schwierig. Oftmals hängt es tatsächlich an der Schnelligkeit. Das heißt, wie schnell reagiert, reagieren wir als Arbeitgeber auf die Bewerbung.
Am Ende des Tages, innerhalb von 24 Stunden eigentlich den Eingang, sage ich jetzt mal ganz klassisch bestätigen. Das machen in der Regel automatische Systeme in den meisten Einrichtungen. Da sitzt jetzt nicht ein Mitarbeiter, der dann den Eingang bestätigt.
Aber dann sollte schon relativ schnell ein persönlicher Kontakt hergestellt werden zu den Bewerbern durch die Einrichtungsleitung. Das heißt ein Vorstellungsgespräch vereinbaren, die Unterlagensichten, Gespräch vereinbaren. Relativ schnell den Termin auch fixieren und dann den Prozess einfach schnell fortlaufen lassen.
Also so schnell es eben möglich ist. Also es muss natürlich immer noch fachlich fundiert sein, dass jetzt nichts überhasten. Aber am Ende des Tages wäre schon so eine Richtlinie, dass man sagt, innerhalb, ab Eingang der Bewerbung sollte man schon so in den ersten vier Wochen einen Abschluss schaffen für eine Fachkrafteinstellung.
Das variiert dann immer, je nachdem, wie hoch das Level ist, ob es eine Führungskraft ist, eine klassische Fachkraft, eine Assistenzkraft. Aber so zwischen vier und sechs Wochen sollte man eigentlich schon gucken, dass man den Prozess zum Abschluss bringt und dem Bewerber dann im besten Fall einen Arbeitsvertrag vorlegen kann.
Julia Nogli:
Und was denken Sie, bringt Bewerberinnen und Bewerber zu Ihnen, also in den Bereich Altenhilfe vor allen Dingen? Es ist klar, es ist ein Beruf, der gebraucht wird, der total sinnvoll ist, wo man wahrscheinlich auch Dankbarkeit und gutes Feedback erfährt. Bezahlung, glaube ich, auch ein bisschen besser geworden.
Also was würden Sie da sagen? Warum sollte man in so einen Beruf kommen?
Christopher Betz:
Nein, es ist natürlich erst mal ein sinnstiftender Beruf. Das ist natürlich jetzt auch ein Argument, das nehmen natürlich momentan auch sehr viele mit auf. Aber es ist wirklich ein sinnstiftender Beruf.
Man bekommt von den Bewohnern ganz viel zurück. Man hat ja sofort ein Feedback von seiner Arbeit. Also man arbeitet ja mit Menschen zusammen.
Es ist unheimlich bereichernd. Ich stelle mir vor, die Aufgabe, ich selbst bin jetzt keine Pflegefachkraft. Ich komme auch nicht aus dem Bereich.
Aber wenn ich mit den Kolleginnen und Kollegen aus den Einrichtungen spreche, dann ist da schon sehr viel Leidenschaft dabei. Da ist sehr viel Herzblut drin, sehr viel Engagement. Und im Endeffekt ein zufriedener, ein glücklicher Bewohner, Bewohnerin, das kann man wahrscheinlich nicht viel aufwiegen, würde ich mal behaupten.
Julia Nogli:
Und das ist nicht immer was, was man sich vorher direkt vorstellen kann. Da müsste man eigentlich mal so einen Probetag oder so machen.
Christopher Betz:
Absolut. Also wo wir auch wirklich ganz stark dafür werben, also auch ich, wenn wir auf Messen sind, auf Schülermessen, wenn wir Vorräte sind, auf irgendwelchen Fachmessen und da junge Leute kommen, die so ein bisschen noch nicht wissen, wo wollen sie eigentlich hinberufen. Das ist ja auch ganz oft.
Die stehen auf Schülermessen, dann sind die erst mal total erschlagen von dem Angebot. Und jeder will natürlich die Azubis für sich gewinnen. Und ich sage immer, wenn man so nach dem Schulabschluss nicht wirklich weiß, wo soll es eigentlich mal hingehen?
Soll es ein Studium sein? Soll es eine Ausbildung werden? Ich will aber was mit Menschen machen.
Also viele kommen immer, ich möchte was mit Menschen machen. Das ist dann erst mal so die allgemeine Aussage. Dann empfehle ich immer ein Praktikum machen.
Das geht bei uns ganz unkompliziert. Wirklich einfach anrufen in den Einrichtungen und einfach mal erleben. Einen Tag mal mitgehen oder mal eine Woche mitgehen und sich angucken, was ist denn eigentlich so dieser Pflegealltag?
Julia Nogli:
Ja, welche Rolle spielen denn so Dienstpläne, Schichten? Das darf man ja auch nicht vergessen. Ist ja hier auch ein Punkt.
Oder überhaupt verlässliche Arbeitszeiten?
Christopher Betz:
Ja, ist natürlich ein Schlüsselfaktor. Sind wir ehrlich, geht wahrscheinlich allen so. Thema Dienstpläne, Verlässlichkeit der Dienstpläne.
Wie oft muss ich einen Mitarbeiter außenfrei holen, weil vielleicht gerade ein Ausfall ist, wegen Krankheit, wegen was auch immer. Das ist für viele schon ein großer Faktor. Aber was wir versuchen und das, dass wir wirklich immer bei uns in den Dienstplänen oder in den Planungen immer auf die Bedürfnisse der Mitarbeitenden eingehen, also wo es möglich ist.
Und das unterschreibe ich wirklich. Da wird versucht, den Mitarbeitenden so viel mögliche Flexibilität zu geben, wie es auch jetzt aktuell möglich ist. Es geht nicht immer.
Das gehört auch zur Realität. Aber wir sind da wirklich dran, dass es so gut es geht, umzusetzen.
Julia Nogli:
Ja, ich habe auch schon von Leuten gehört, die das zum Beispiel Nachtschichten und so nicht so schlimm finden. Dann kann man tagsüber was machen, kommt man zu was. Also es ist nicht immer nur negativ.
Und es sind ja unglaublich viele Menschen, die in irgendeiner Weise im Schichtdienst arbeiten oder in wechselnden Zeiten.
Christopher Betz:
Also man merkt schon, dass natürlich das Thema Dienstzeit oder Dienstpläne bei den Bewerbern ein ganz großer Punkt ist, was ganz oft in den Gesprächen angebracht wird. Ja, was sind die Dienstpläne? Ich kann nur vormittags arbeiten.
Familien zum Beispiel. Der eine kann nur nachts arbeiten, wie sie sagen, oder haben einen Dauernachtwachen. Also ich finde, Pflege bietet ganz viel Möglichkeiten für jeden.
Ob es dann immer so umsetzbar ist in der Praxis, muss man dann gucken. Also man kann natürlich jetzt nicht jedem Bedürfnis nachgehen. Und wenn ich jetzt sage ich mal, ich kann nicht eine ganze Einrichtung mit Pflegefachkräften oder Fachkräften besetzen, die nur frühs arbeiten wollen.
Pflege ist 24-7, 365 Tage im Jahr.
Julia Nogli:
Okay. Wie wichtig sind denn Quereinsteiger für die Zukunft dieser Altenhilfe? Also wir sprechen ja jetzt erstens von Ausbildung.
Dann gibt es natürlich schon Fachkräfte, die sich vielleicht bei Ihnen bewerben, weil sie wechseln. Können die auch, wenn die aus einem ganz anderen Beruf kommen, da reinkommen?
Christopher Betz:
Absolut. Also beim Quereinstieg ist es einfach immer ganz wichtig, wie wir die Leute dann begleiten. Also wie führen wir sie dann an die Tätigkeit, die sie dann bei uns ausüben sollen, heran?
Mit Ausbildungen, mit Schulungen. Da gibt es ganz viele Angebote über die Agentur für Arbeit, die wir auch nutzen. Also wir haben bewusst, wir setzen bewusst auf Quereinsteiger da, wo es notwendig ist und da, wo es auch geht.
Ich kann ein kurzes Beispiel nennen. Wir haben jetzt aktuell in einer Einrichtung bei uns in Molkenberg jemanden eingestellt, der gelernter Koch ist. Da ist der Vorgänger, ging jetzt in Pension.
Der war da in der pädagogischen Arbeit sehr engagiert, war auch Heilerziehungspfleger, hat aber viel gekocht und die Bewohner im Endeffekt angeleitet und denen Struktur gegeben. Jetzt haben wir einen Koch eingestellt, der auch ganz viel Erfahrung aus der Anleitung von Auszubildenden mitbringt. Den haben wir jetzt eingestellt, den bilden wir jetzt aus.
Der kriegt jetzt die entsprechenden Schulungen und wird jetzt dann ab dem 1.6. bei uns in Molkenberg die Stelle nachbesetzen, die der Kollege jetzt freigegeben hat.
Julia Nogli:
Okay, kann sehr gut, ich glaube auch mit ganz anderen Berufen, kann das wunderbar passen.
Christopher Betz:
Also wir haben Soldaten bei uns, ehemalige, die ganz lange bei der Bundeswehr waren, die dann in die Pflege gehen. Also das ist ein buntes Sammelsurium aus allen Richtungen, muss man wirklich sagen.
Julia Nogli:
Kann man auch sozusagen als Erwachsener auch noch diese Pflegeassistent oder so was machen, diese Ausbildung?
Christopher Betz:
Klar, natürlich. Wir haben jetzt keine Altersbeschränkungen für die Ausbildung. Also wenn sich jemand Spätberufen fühlt, in die Pflege zu wechseln, dann herzlich willkommen.
Erleben wir auch oft, dass Leute irgendwann sich nochmal umorientieren wollen, vielleicht aus privaten Gründen, weil sie in der eigenen Familie einen Angehörigen haben, der gepflegt werden musste und da dann fest der Mensch, ich möchte mich hier irgendwie beruflich nochmal umorientieren und entscheiden sich wirklich auch noch in einem höheren Alter für eine Ausbildung als Fachkraft, als Assistenzkraft.
Selbstverständlich.
Julia Nogli:
Wie ist es denn mit der berühmten Gen Z, der immer vorgeworfen wird, die wollen nur noch halbtags arbeiten und wollen irgendwie. Erleben Sie das so? Sie sind ja auch dabei bei solchen Gesprächen und so weiter oder ist das eigentlich unsinnig?
Christopher Betz:
Also ich würde sagen, es ist unsinnig. Es ist erst mal eine sehr pauschale Aussage für die ganze Generation. Und das bin ich grundsätzlich kein Freund von pauschalen Aussagen.
Und ich denke, in jeder Generation gibt es Leute, die das Klischee dieser Generation erfüllen oder eben auch nicht. Und es gibt in meiner Generation Leute, die das Klischee erfüllen, was man der Generation nachsagt, in ihrer und auch in der Gen Z. Aber pauschal zu sagen, dass die Gen Z nicht belastbar ist, dass die nicht wissen, was sie wollen, dass die unentschlossen sind, zu flex, also zu phlegmatisch, kann ich nicht.
Und da würde ich echt nicht unterschreiben. Also bei uns, wir haben wirklich sehr engagierte junge Auszubildende in unseren Einrichtungen. Und es ist selten, dass da wirklich jemand dieses genannte Klischee erfüllt, dass die sagen, ich habe keine Lust, ist mir alles zu anstrengend.
Gibt es natürlich auch, aber wo gibt es das nicht? Es gibt es in allen Altersgruppen. Also das würde jetzt nicht nur der Gen Z zuschreiben.
Das ist für mich ein Quatsch.
Julia Nogli:
Nun suchen Sie ja nicht, also Altenpflege ist ja nicht mehr der Beruf sozusagen, sondern ist ja die generalisierte Ausbildung. Also man ist Pflegefachkraft und da ist es ja mit drin. Also das würde das immer mit abdecken.
Da ist ja irgendwie Kinderheilkunde und so weiter mit drin.
Christopher Betz:
Genau, also die generalistische Ausbildung, die es ja jetzt gibt, die Pflege zur Pflegefachkraft, die ist so, dass die Auszubildenden während ihrer dreijährigen Ausbildung alle Bereiche der Pflege kennenlernen. Also die fangen, die beginnen zwar bei uns beispielsweise in der Altenhilfe, in einem Seniorenzentrum und gehen aber in ihren Praxiseinsätzen ins Krankenhaus, in die Kardiologie, auch in Einrichtungen der Eingliederungshilfe, in die Psychiatrie. Die müssen im Endeffekt alle Bereiche in diesem Gesundheitswesen abdecken und können sich am Ende der Ausbildung dann entscheiden, was ihnen am meisten zugesagt wird.
Das finde ich ist wirklich für die Ausbildung ein Vorteil, weil man ganz viele Bereiche kennenlernt und das der Gen Z eigentlich entgegenkommt. Weil man muss sich nicht festlegen am ersten Tag, ach, ich möchte in der Altenhilfe bleiben oder ich möchte ins Krankenhaus oder ich möchte in die Psychiatrie, sondern die haben Zeit, sich das alles anzugucken und herauszufinden, wo liegen denn meine Stärken überhaupt? Also was sagt mir zu?
Dem einen ist die Altenhilfe viel zu anstrengend, mental, psychisch. Der andere sagt, na ja, ich möchte eher ins Krankenhaus. Ich will gar nicht diesen zu engen Kontakt mit den Bewohnern.
Die Altenhilfe ist natürlich sehr personenbezogen.
Julia Nogli:
Beziehungsarbeit.
Christopher Betz:
Genau, Beziehungsarbeit, das habe ich natürlich in einem Krankenhaus weniger. Die Leute kommen rein, die werden gesund gemacht und dann verlassen die im besten Fall gesund auch wieder das Krankenhaus. Das ist in der Altenhilfe natürlich anders oder auch in der Eingliederungshilfe bei uns.
Das ist sehr viel Beziehungsarbeit, sehr viel Struktur geben. Und da entstehen schon auch enge Beziehungen. Also Altersgruppen übergreifend, muss man sagen.
Julia Nogli:
Hat man denn auch, wenn man sich dann entschieden hat und in der Altenhilfe bleibt, was Sie sicher freut, dort auch noch so Aufstiegsmöglichkeiten oder kann man sich da noch spezialisieren?
Christopher Betz:
Absolut, absolut. Also der Anfang ist ja erst mal immer die Ausbildung, sage ich jetzt mal. Sei es jetzt zur Fachkraft oder zur Pflegeassistenz, die man macht.
Die dauert eineinhalb Jahre, die Ausbildung. Und danach hängt es von ein paar Sachen eben ab. Habe ich das Interesse, mich weiterzubilden?
Da gibt es ganz viele Möglichkeiten. Ich kann Wohnbereichsleitung werden. Ich kann die Ausbildung zur Pflegedienstleitung machen.
Ich kann beispielsweise studieren. Pflegewissenschaften ist ein Thema, was man machen kann, unterstützen wir auch. Also wir haben aktuell jetzt auch eine Einrichtung, einen Kollegen, der ist Pflegedienstleitung.
Der macht jetzt ein Studium der Pflegewissenschaften, das von uns unterstützt wird. Aber da liegt uns auch schon viel dran, den Leuten eben Perspektiven zu geben, weil das ist auch der Anspruch, den wir als Arbeitgeber haben und auch haben müssen. Also ich muss unseren Mitarbeitenden eine Perspektive geben, egal ob jung oder alt.
Also jeder, der, der sich weiterentwickeln will, der darf sich weiterentwickeln. Und das wünschen wir uns auch. Und man kann niemandem so etwas zwingen.
Jemand, der sagt, na ja, ich bin aber auch ganz zufrieden mit meinem Job jetzt. Ich bin froh. Ich möchte am Bewohner bleiben.
Dann ist es auch in Ordnung. Wichtig ist, den Leuten die Möglichkeit zu geben, sich zu entwickeln, in welche Richtung auch immer.
Julia Nogli:
Vielen Dank an Christopher Betz, HR-Spezialist im Konzernbereich Personalgewinnung und Personalbindung der Immanuel Albertinen Diakonie. Wenn Sie jetzt neugierig geworden sind, Sie finden den Kontakt wie immer hier bei uns auf www.paradiso.de und dort auch wie immer die ganze Sendung zum Nachhören. Einen schönen und entspannten Abend für Sie mit Radio Paradiso.