Fast jeder Dritte in Deutschland ist von Bluthochdruck, auch arterielle Hypertonie genannt, betroffen. In den Arterien des Körpers besteht bei Bluthochdruck ein übermäßiger Druck, der dauerhaft das Risiko für Herzerkrankungen, Schlaganfälle, Netzhaut- oder Nierenschäden erhöht. Mögliche Ursachen für eine arterielle Hypertonie können eine familiäre (genetische) Veranlagung sowie ein ungesunder Lebensstil sein. Mehr Bewegung und eine Ernährungsumstellung können sich günstig auf den Blutdruck auswirken. Dr. med. Lutz Liese, Facharzt für Allgemeinmedizin am Immanuel Krankenhaus Berlin und in der Immanuel Medizin Zehlendorf, erläutert, wie Blutspenden bei Bluthochdruck wirken können.

Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass wiederholte Blutspenden oder Aderlässe einen blutdrucksenkenden Effekt haben. Die Ursache für die Blutdrucksenkung ist noch nicht abschließend geklärt. Zwar liegt die Vermutung nahe, dass die Entnahme einer bestimmten Menge Blutes direkt zu einem größeren Blutdruckabfall führen würde, so wie die Entnahme von Flüssigkeit aus einem geschlossenen Röhrensystem zu einem Druckabfall führt. Dem ist aber nicht so. Denn der Körper passt sich automatisch auf Veränderungen an, indem sich zum Beispiel die Blutgefäße enger stellen. Unmittelbar nach dem Aderlass kommt es also in der Regel nur zu einem geringen Blutdruckabfall, je nachdem, wie viel Blut entnommen wurde und wie hoch der Blutdruck vorher war. Das ist ein lebenswichtiger Schutzmechanismus, damit die Organe etwa bei einer Verletzung weiter und ununterbrochen versorgt werden können.

Eine Arbeitsgruppe um Prof. Dr. med. Andreas Michalsen, Chefarzt der Abteilung Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus Berlin, und Prof. Abdulgabar Salama, Leiter des Instituts für Transfusionsmedizin der Berliner Charité, führte 2015 eine Studie mit fast 300 Probanden mit und ohne Bluthochdruck durch. Diese sollte prüfen, ob Blutspenden dabei helfen kann, die Blutdruckregulation zu verbessern. Über einen Zeitraum von einem Jahr wurde einer Gruppe von erstmaligen Blutspendern bis zu viermal knapp ein halber Liter Blut abgenommen. Die Hälfte der Studienteilnehmenden litt bei Studienbeginn an einem erhöhten Blutdruck von mehr als 140/90 mmHg, die andere Hälfte hatte normale Blutdruckwerte. Für die Studie wurden die Blutdruck- und Blutwerte der Probanden vor und nach jeder Spende gemessen.

Schon nach der ersten Spende berichteten viele Bluthochdruck-Patienten von einer wohltuenden Wirkung. Der weitere Effekt baute sich direkt mit der Zahl der Spenden weiter auf, d.h. je mehr Blutspenden die Probanden geleistet hatten, desto größer fiel die Blutdrucksenkung aus. Bei Probanden, die viermal pro Jahr zum Blutspenden gingen, konnten die Werte sehr ausgeprägt gesenkt werden.

Als eine mögliche Ursache der anhaltenden Blutdrucksenkung wird eine „Verjüngung“ des Altersschnitts der roten Blutkörperchen diskutiert. Rote Blutkörperchen leben durchschnittlich 120 Tage lang und werden dann in der Milz abgebaut. Geht Blut verloren, werden rote Blutkörperchen nachgebildet, um den Verlust auszugleichen. Bei regelmäßigem Blutverlust steigt so der Anteil der jungen Erythrozyten an. Möglicherweise erleichtert die bessere Verformbarkeit der neu gebildeten roten Blutkörperchen das Durchströmen der kleineren Blutgefäße bis hin zu den feinen Kapillaren und führt so zu einer Verringerung des Gefäßwiderstands insgesamt. Aus den verbesserten Fließeigenschaften des Blutes könnte so eine Blutdrucksenkung resultieren.

Neben dem positiven Effekt auf den Blutdruck und Fließeigenschaften des Blutes, scheinen sich Aderlässe auch günstig auf die Blutzuckerregulation bei Diabetes Mellitus Typ-2 auszuwirken. In der Privatpraxis Immanuel Medizin Zehlendorf sowie in der Abteilung Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus Berlin wird der Aderlass bei arterieller Hypertonie und metabolischen Syndrom praktiziert.

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